Rund gedacht! Teil 2………

Es ist so berührend und schön zugleich! Rosi hat eine sehr harte und eine sehr traurige Zeit hinter sich und hat sich das, auf ganz wundervoll Art und Weise, von der Seele geschrieben. Aus diesem Grund wird daraus ein Gastbeitrag und ich hoffe, dass noch viele folgen……

Es geht in dieser Serie um Menschen, die unsere Nachbarn sind und ihre Gedanken! Manchmal wissen wir nicht, was sie gerade durchmachen und manche wollen es auch gar nicht wissen. Mir persönlich geht es immer sehr ans Herz, wenn mein Gegenüber das seine öffnet. Vielleicht heilt es dadurch ein wenig! Aber lest doch selbst……..

Rosi schrieb:

Tja, was mich beschäftigt. Im Moment ziemlich viel. Da ist einmal der Verlust unserer Chihuahua-Hündin Topas Ende November 2014. Sie lief meinem Bruder spät Abends vor unserem Haus weg… keine Ahnung ob sie sich vor etwas erschreckt hat. Mein Bruder rief ihr noch hinterher, aber da sie fast taub war und auch nur noch schlecht sah, vermuten wir, das sie ihn nicht gehört hat. 15 Jahre lief sie ohne Leine, sie wußte genau wo unser Haus war… und doch lief sie plötzlich weiter. Mein Bruder, der zuerst unseren anderen noch sehr jungen Jack Russell Terrier Charlie an dem Treppengelände anband, lief ihr sofort hinterher, aber er fand sie nicht mehr. Trotz intensiver Suche von uns allen und liebenswerten Helfern von außerhalb, sie blieb bis heute unauffindbar. Die Hoffnung sie wieder zu finden, die schwand erst nach 2-3 Wochen.

Tja, und dann kam Ende Dezember meine Mutter ins Krankenhaus weil sie Wasser in den Beinen hatte und kaum laufen konnte. Am 1. Tag im Krankenhaus stürzte sie aus dem Krankenhausbett und brach sich den Oberschenkel. Mit 88 Jahren mußte sie dann operiert werden und kam danach bis Anfang Februar in die Reha. Ich fuhr jeden Tag nach der Arbeit in Mainz nach Idstein bzw. in der Reha nach Bad Schwalbach und habe meine Mutter stundenlang aufgebaut. Mit Essen mitbringen, mit Aufmunterung und habe sie täglich aus dem Bett geholt und laufen geübt. Endlich, Anfang Februar durfte sie wieder nach Hause. Meine Reha die ich im August 2014 beantragt hatte und die mir für den 8.2.2015 genehmigt wurde, hatte ich mittlerweile verschoben, da ich meiner Mutter in der Anfangszeit zu Hause noch Unterstützung geben wollte.

Und als ob das nicht alles schon gereicht hätte, bekam mein Bruder am 27.02.2015 beim Spaziergang mit seinen Hunden (den bereits oben erwähnten Jack-Russel Terrier Charlie und ich habe ihm Ende Dezember einen kleinen weißen Chihuahua Namens Lucky geschenkt, weil mir mein Bruder nach dem Verlust von Topas seelisch schwer angeschlagen vorkam) einen Schlaganfall. Er lag fast 30 Minuten an der Hauptstrasse im Strassengraben, bevor ein Jogger durch den bellenden Charlie darauf aufmerksam wurde und meinen Bruder in dem Graben liegend vorfand. Die nächsten 4 Wochen waren die Hölle. Die Atmosphäre einer Intensivstation ist beängstigend. Seinen Bruder im Koma liegen zu sehen mit Schläuchen und Geräten über und über… schlimm. Eine Berg- und Talfahrt zwischen Hoffen und Bangen, Hoffnung und wieder Tiefschläge. Die einen Ärzte sagten das wird wieder, aber ohne Garantie, die anderen sagten, machen sie sich keine großen Hoffnungen. Keine Patientenvollmacht o.ä. lag vor, aber seine beiden Kinder und meine Schwester (die mittlerweile von Amerika eingeflogen kam) und ich konnten die Vollmacht nachträglich eintragen lassen. Danach haben wir umgehend einen uns bekannten Chefarzt einer anderen Klinik eingeschaltet, der sich nachdem wir ihm die unterschiedlichen Meinungen der Ärzte aus dem Krankenhaus meines Bruders erzählten, bereit erklärte, sich sein eigenes Bild von dem Zustand meines Bruders zu machen. Er teilte uns mit, das WENN mein Bruder je wieder ganz aus dem Koma erwachen würde, wäre er auf jeden Fall schwerstbehindert. Da wir wissen, wie sehr meinem Bruder ein Leben mit Behinderung fürchtete, entschlossen wir uns, die Geräte abstellen zu lassen. Wir kämpften 1 Woche lang darum, das die Ärzte endlich die Geräte und die künstliche Ernährung abstellen. Es war das schlimmste was ich in meinem ganzen Leben je entscheiden musste. Wir saßen dann Stunden an seinem Bett… sind nur kurz über Nacht heim gefahren zum Essen und kurzweiligen schlafen… aber schon in den frühen Morgen- stunden verstarb er. Alleine die Zeit in der wir einzeln an sein Bett gegangen sind und uns von ihm verabschiedet haben und ihm dann beim Sterben zusehen, das verfrisst mich heute noch.

Da er mit meiner demenzkranken Mutter in unserem Elternhaus lebte, blieben mir bis zum Antritt meines 2. Genehmigten Kurantrittes gerade mal 2 ½ Wochen Zeit alles zu regeln. Behördengänge, Sichtung und Räumung der Wohnung und Unterlagen meines Bruders, was mir schier das Herz zerriss… (der eine nahm sich was davon, der andere davon, jeder halt ein Erinnerungsstück) und Organisation der Pflege meiner Mutter, weil ins Heim geben wollte ich sie nicht, also mußte ich mich nach einer Pflegekraft umschauen. Dazu kamen die beiden Hunde meines Bruders… da mußten wir ja auch sehen, wo sie unterkommen. Mein Neffe und seine Freundin haben dann den Jack-Russel Terrier genommen, weil es wohl so schon mit meinem Bruder abgesprochen war, das falls ihm mal was passiert, nimmt ihn mein Neffe. Tja, da war auch noch der kleine Chihuahua Lucky. Also habe ich gesagt, der bleibt bei mir. Aber da ich ganztags arbeiten gehe, mußte ich ne Lösung finden wohin mit ihm. Nach vielem Überlegen ist er nun vom Montags bis Freitags auch bei meinem Neffen und seiner Freundin, die sich somit als Hundesitterin etwas dazu verdient und ich hole ihn Freitags nach der Arbeit zu mir und bringe ihn Sonntags (den Sonntag verbringe ich immer bei meiner Mutter) gegen Abend wieder nach Idstein.

Als ich dann am 20.04.2015 meiner Kur antrat, war ich echt völlig ausgepowert. Dort in der Kur nahm ich dann echt mal eine seelische Auszeit und nahm bewußt mal wieder wahr, wie schön alles sein kann. Der Wind, das Rauschen der Bäume, Sonnenstrahlen oder einfach lange Spaziergänge und die Tiere am See beobachten. Aber die Ruhe brachte auch oft alles wieder hoch. Noch dazu bekam ich ständig Anrufe von zu Hause, weil noch dies oder das zu regeln war. Meine Schwester war noch bis Ende April da, bevor sie wieder nach Amerika zurück flog, auch das war wieder ein Abschied, weil sie mir einer unglaubliche Stütze in den vergangenen 2 Monaten war.

Und nun, nachdem ein halbes Jahr vergangen ist, warte ich immer noch darauf, das es aufwärts geht. Aber es geht nicht aufwärts. Ich habe das Gefühl, immer mehr einzusinken. Alles was ich und mein Bruder uns für die Zukunft vorgenommen hatten, alles ist dahin. Wir wollten, wenn meine Mutter mal verstorben ist, zusammen in unserem Elternhaus leben und es erhalten und auf uns gegenseitig aufpassen wenn wir alt werden. Nun ist alles auf den Kopf gestellt. Das Haus werde ich nachdem meine Mutter mal nicht mehr ist nicht halten können. Wenn ich es nicht schon vorher verkaufen muss, falls ihre Demenz so stark wird das ich sie in ein Heim geben muss. Und ich habe meinem Vater mal versprechen müssen, das ich das Elternhaus nicht verkaufe solange ich lebe. Das alles macht mich fix und fertig und ich suche oft einfach nach dem Sinn mein Leben weiter zu führen. Ich funktioniere einfach noch, bei den Dingen die ich machen muß, alles andere ist einfach nur noch eine Last.

Mir fehlt einfach ein Ziel. Mir macht kaum noch etwas eine Freude, und wenn ich mal über irgendwas lache, dann hab ich sofort ein schlechtes Gewissen, weil eigentlich geht’s mir ja schlecht und nach dem Tod meines Bruders sollte man noch nicht lachen. Paradox. So, ich hab mir nun mal alles von der Seele geschrieben. Ich hoffe mich verurteilt keiner dafür das ich so viel negatives geschrieben habe, aber es ist einfach so wie ich es fühle und erlebt habe. An die Weihnachtszeit und an Neujahr darf ich gar nicht denken. Da wird’s mir Angst und Bange. Aber was mir oft wirklich hilft, ist die Ablenkung in Facebook, da sind oft wirklich schöne und unterhaltsame Posts. Die negativen haben ja nun meinem Empfinden nach etwas abgenommen, gut so.

In diesem Sinne, ich hoffe, das ich auch bald mal aus dem Loch heraus bin und wieder mein typisches Lachen verbreite Bussi, Rosi


3 Gedanken zu “Rund gedacht! Teil 2………

  1. Liebe Rosi,
    Danke, von ganzem Herzen Danke für Deine offenen Worte. In vielem finde ich mich wieder, ohne hier jetzt näher drauf einzugehen. Du hast ein Recht, du hast alles Recht der Welt, jetzt endlich mal an Dich zu denken. Und du hast auch die Pflicht, jetzt endlich mal an dich zu denken. Vieles von dem, was du schreibst , have ich erlebt bzw. miterlebt. Und erfahren müssen, wohin dieser Weg führen kann, wenn man nicht rechtzeitig STOPP drückt. Es gibt Versprechen, die man halten muss. Aber es gibt auch Versprechen, die man brechen muss, nämlich dann, wenn es an die eigene Existenz geht. Eigentlich bist du schon ein Stück zu weit gefahren. Verzeih meine Offenheit, aber du brauchst dringend Hilfe und wenn es nur jemand ist, mit dem du reden kannst. Wenn du magst, lass dir von Elke meine Mailadresse geben. Vielleicht können wir ja mal einen Kaffee zusammen trinken. Fühl dich mal ganz doll gedrückt. Alles Liebe, Anja

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  2. Nein, ich kann nicht liken „gefällt mir“, es gefällt mir nicht. So viel Leid und Traurigkeit ohne Ende, ist schlimm. Was soll man Dir sagen oder wünschen? Am 15.10. ist Stammtisch und wenn Du da dort bist, nehme ich Dich in den Arm und schenke Dir Kraft.

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