Raus aus RuT

Dieser Beitrag macht mich traurig und erinnert mich daran, warum die Gruppe gegründet wurde. Jeder hat da ein anderes Empfinden und eine andere Einstellung. Bei über 5000 Mitgliedern kann es nicht mehr so intim zugehen, wie bei den ersten 100. Jedoch sind Engagierte Mitglieder einer FB Gruppe wichtig und der Verlust schmerzt immer. Egal wie man zu dem Mitglied eingestellt ist. Matthias hat seinen Ausstieg aus der Gruppe in Worte gefasst.

Aber lest selbst…….

Als ich in die Facebookgruppe „Rund um Taunusstein“ eingetreten bin fand ich die Idee dahinter super: Mit Hilfe der sozialen Medien einen digitalen Ort schaffen, um (Ex-)Bürger besser miteinander zu verknüpfen und gemeinsam Sachen anzugehen. Ich bin in Taunusstein aufgewachsen, während dem Studium habe ich in Idstein gewohnt und mit dem ersten Job zog ich nach Niedernhausen, seit ein paar Jahren wohne ich nun in Mainz. Leider weit weg von Taunusstein, wo noch ein Großteil meiner Familie wohnt.
Die Gruppe war wirklich klasse: Ohne die Gruppe wäre ich nicht auf das Theaterstück gestoßen, welches in der Neuhofer Stadthalle aufgeführt wurde. Meine Nichte war begeistert und ich ein glücklicher Onkel.
Ohne die Gruppe hätte ich kein Stück des „Hochzeitsbaumes“ aus dem Wehener Schloss. Die Scheibe wird immer wieder anders von meiner Freundin dekoriert in der Wohnung präsentiert.
Ohne die Gruppe wäre ich auch nicht auf Marco Dey gestoßen, dessen Fotoschwerpunkt Autos sind. So konnten mein Bruder und ich Fotos von Vatis Youngtimer machen lassen, bevor er ihn verkaufen musste.

Im Zuge der Flüchtlingswelle hat sich das Klima in Deutschland verändert, also nur logisch, dass auch in der Gruppe ein anderer Wind wehte. Dieser Beitrag soll nicht dazu dienen meine Haltung in der Sache zu begründen, aber ich halte die Entscheidung die Grenzen offen zu halten und den Menschen Zuflucht zu bieten aus mehreren Gründen für vollkommen richtig. Im Spätsommer 2015 zogen also auch Flüchtlinge in die Wehener Silberbachhalle.

Es gab Postings mit berechtigter Kritik genauso wie Beiträge mit, gelinde gesagt, ziemlich plumpen Aussagen, verallgemeinernt, fremdenfeindlich. Mein Problem dabei: Ich diskutiere gerne. Allerdings ist es wie so oft: Man bringt Argumente, es geht hin und her, und wenn die Gegenseite keine Gegenargumente mehr hat wird eben beleidigt. Wenn man auf diese Beleidigungen noch weiter ironisch reagiert oder auch mal zurück schießt wird es noch persönlicher. Mehrmals wurde mir gesagt, ich würde ja früher oder später mal wieder in Taunusstein sein und so weiter. Zwar nicht eindeutig, aber durch die Blume eine eindeutige Drohung, die ich so auch nicht ernst nehme. Für mich sind das alles nur ein paar Pixel auf dem Bildschirm, zu wenig um sie wirklich ernst zu nehmen. Darüber hinaus bin ich fest davon überzeugt, dass manche dieses Verhalten nur vor dem Rechner an den Tag legen.

Natürlich gab es auch andere Beiträge. Ich erinnere mich besonders das Bild eines vollgeschmierten Bauwagens eines Kindergarten. Darunter: Mehr als 20 Kommentare

Empörung etc. pp. Man kennt das ja. Ich dachte mir, dass das bisschen Farbe schnell überpinselt sei und schlug genau das vor. Die Reaktionen waren erschreckend: Abermals bekam ich Gegenwind.

Natürlich ging es dabei nicht um den Bauwagen, sondern meine Position bzgl. der etlichen „Flüchtlingsposts“, inkl. der tollen Bezeichnung „Bahnhofsklatscher“ (4 mal am Tag bin ich zwar an einem Bahnhof, geklatscht habe ich aber nie). Meine deutlichen Widerworte nicht nur bei diesem Beitrag brachten mir die ein oder andere mündliche Verwarnung ein.

Auch hier ist mir ein Dialog besonders in Erinnerung geblieben: Einer meiner Fans hatte sich vorgenommen bei jedem meiner Kommentare „das gabs schon immer“ zu schreiben. Hintergrund war ein Beitrag in dem sich über ein geklautes Autoradio aufgeregt wurde. Da einige Kommentatoren wieder in den „es wird immer schlimmer“-Modus verfielen hatte ich angemerkt, dass mir bereits 2004 in Idstein ein Autoradio gestohlen wurde. Leider scheint ein Großteil der Gruppe wirklich der Meinung zu sein, dass alles immer schlimmer wird und Taunusstein braucht dringend eine Polizeistation. Führt man sich die Zahlen und Statistiken zur Kriminalität in Taunusstein zur Gemüte merkt man schnell: Da wird keine Polizeitstation kommen, die Kriminalität ist auf einem Tiefstand im Vergleich zum Kreis.

Auf jeden Fall gab es von einem gewissen Herren immer ein „Das war schon immer so“, wenn ich etwas geschrieben hatte, auch wenn es überhaupt nicht zum Sinn des Beitrages passt. Also eine kleine Gruppendiskussion mit 3 Admins, meiner Wenigkeit und Mr. X. Mr. X äußerte sich überhaupt nicht, lt. Facebook sah er die Beiträge, aber er schrieb keinen Buchstaben. Ich diskutierte etwas und einem Admin platzte aus welchen Gründen auch immer der Kragen. Ich sei jemand, der seine eigenen Maßstäbe nur für andere durchsetzen will, aber selbst überhaupt nix macht etc. pp. Beleidigungen inklusive. Das war sehr lustig, weil ich gerade dabei war nach 1,5 Jahren als Kassierer und Vorsitzender des Förderkreises CvO endlich einen ehemaligen Schüler gefunden hatte, der mich von der Kassierer-Aufgabe entlastet und quasi neben der Tastatur 150 Briefe lagen, die ich an diesem Abend eingetütet hatte.

Außerdem bin ich mir auch nicht sicher, ob besagter Admin mich aufgrund ein paar Kommentare bei Facebook so umfassend einschätzen kann. Ich würde es nicht tun, er sieht das aber anders.
Grundsätzlich waren Aufreger-Beitrage sehr, sehr beliebt: Egal ob Falschparker, Laub, Raser, Schleicher, Gebühren, glatte Flächen im Winter oder Steuern: Aufgeregt wurde sich immer. Aus meiner Sicht gibt es viele Gründe das nicht zu tun und es gibt (aus meiner Sicht) auch jede Menge Gründe im Sinne einer moderierenden Administration etwas dagegen zu tun. Zunächst einmal war manche Kritik einfach falsch: Die Stadt Taunusstein hat sehr wenig Einfluss auf Bundesstraßen, wenn ich mich nicht irre. Viele der Beiträge waren eher eine eins-zu-eins Geschichte, ohne dass der Autor wusste, ob er den, den er ansprechen möchte überhaupt in der Gruppe war.

Aber wichtiger wäre mir die Stimmung: Wüsste man es nicht besser, hätte man beim Betrachten der Gruppe das Gefühl Taunusstein bestünde zum Großteil aus griesgrämigen Meckerbolzen, die nichts besseres zu tun haben, als ihren Frust in der Gruppe „Rund um Taunusstein“ abzusondern. Eigeninitiative zur Verbesserung der Situation? Fehlanzeige! Produktive Vorschläge für Veränderung? Eine Sache für die Bahnhofsklatscher! Ganz allgemein bin ich fest davon überzeugt, dass das dauerhafte Konsumieren vermeintlich schlechter Nachrichten aus der direkten Umgebung langfristig aufs Gemüt schlagen kann. Natürlich erzeugt das ein Gefühl von „es wird immer schlimmer“, einfach weil man früher nix davon mitbekommen hat, ob der Nachbar 3 Häuser weiter sein Laub entfernt hat oder nicht. Heute: Aufregerpost in „Rund um Taunusstein“ dazu, 20 Kommentare, 5 mal geteilt. Deswegen habe ich bewusst in anderen Lokalgruppen auf Facebook gestöbert und musste feststellen: Rund um Taunusstein ist da ziemlich allein. Man kann auch diskutieren ohne sich zu beleidigen und man kann auch eine Gruppe positiv für die eigene Ortschaft nutzen, ohne sich in Meckereien zu suhlen.

 Bemerkenswert war auch ein Beitrag in dem um Sachspenden für einen kleinen Spielplatz vor einer Flüchtlingsunterkunft gebeten wurde. Quasi nebenan wurde sich über die Klage eines Anwohners gegen einen öffentlichen Spielplatz aufgeregt. Natürlich wurde die der Aufruf für die Flüchtlinge kritisch hinterfragt, unter fleißiger Beteiligung eines Administrators. Ich bat darum zu erklären, warum das Engagement für die Kinder des öffentlichen Spielplatzes OK sei, aber der Aufruf für Spielgeräte vor einer Flüchtlingsunterkunft in Frage gestellt wird. Und schon hatte ich die nächste Verwarnung per PN im Postfach.
Zuletzt gab es einen neuen Beitrag, der sich an all die Idioten richtete, die doch bitte Beiträge überlesen sollen, die sie nicht interessieren. Zunächst einmal war ich überrascht, dass es offenbar OK war solch einen Beitrag zu verfassen, dann fragte ich mich, ob die Verfasserin nicht genauso die dummen Antworten überlesen kann, wie sie es von anderen Leuten verlangt. War wohl auch wieder nicht recht: Verwarnung per PN.
Also bin ich dem zuvorgekommen und bin raus aus der Gruppe. Es gab seit längerem kaum relevante Beiträge, die mich als „Exil-Taunussteiner“ interessierten, das ist ziemlich schade, weil es mal anders war. Die Gruppe könnte, wie eingangs beschrieben eine wunderbare Möglichkeit sein, die neuen Medien positiv zu nutzen, stattdessen passiert vor allem das Gegenteil: Negative Empfindungen werden verstärkt. Ausnehmen davon muss ich viele Beiträge, in denen es um vermisste oder gefundene Hunde oder Katzen ging. Da ich nicht dort wohne und keine Haustiere habe, interessieren mich solche Beiträge überhaupt nicht, aber ich hoffe im Sinne der Tiere und deren Halter, dass möglichst viele Beiträge von Erfolg gekrönt waren.
Ja, an ein paar Stellen habe ich mit anderen zusammen die Humor- und Ironiestränge etwas überspannt. Für mich gehört das genauso dazu, wie jemand der sich über einen nicht geschlossenen Gullydeckel aufregt, statt ihn einfach selbst zu schließen.
Ich habe gerne diskutiert und argumentiert, insbesondere rund um Flüchtlingsthemen, die in der Gruppe schnell eine eindeutige Richtung bekamen, gerne auch mit einer Prise Satire, so wie andere. Aber jetzt eben nicht mehr. Um ein Twitterposting zu zitieren: Wer sich jemals gefragt hat, wie die Stimmung in einer Gesellschaft so kippen kann findet in der Entwicklung von „Rund um Taunusstein“ in den letzten 1,5 Jahren die Antwort.
Autor: Matthias Schwarze

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